SO GEHT AMBULANT
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Fachbeitrag24.06.2026

Ambulant, aber wie? Über das „Ob" ist entschieden. Bleibt das „Wie".

Banner zur Live-Analytics-Session zur Ambulantisierung „Ambulant, aber wie?" am 25. Juni 2026 mit BinDoc, Rottal-Inn Kliniken und RINKE+HENSSLER.

Über das »Ob« der Ambulantisierung ist entschieden. Das »Wie« entscheidet sich im Betrieb – nicht in der Abrechnung.

Der Hybrid-DRG-Katalog 2026 zählt 69 Fallpauschalen. Es Jahr zuvor waren es 22. Und 904 OPS-Kodes statt 583. Appendektomie, Cholezystektomie, interventionelle Kardiologie, Gefäßeingriffe, Frakturen: Eingriff für Eingriff verschiebt sich, was als ambulant gilt. Das „Ob" der Ambulantisierung ist im Katalog beantwortet. Doch ein Abrechnungstatbestand verschiebt keinen einzigen Patienten, organisiert keine Aufnahme, schafft keinen Überwachungsplatz und trennt keinen Notfall vom planbaren Eingriff. Das „Wie" entscheidet sich nicht in der Abrechnung. Es entscheidet sich im Betrieb.

Eine Hybrid-DRG organisiert keine Patientenaufnahme. Sie setzt einen Rahmen – mehr nicht.

Die Regeln verschieben sich. Die Aufgabe bleibt.

Das Gesetz verlangt einen Katalog, der mindestens eine Million bislang vollstationäre Fälle erfasst (§ 115f SGB V). Tatsächlich entfallen auf die neu aufgenommenen Kodes über 2,6 Millionen Fälle. Die Richtung ist eindeutig.

Eindeutig ist auch, dass die Regeln nicht stillstehen. Der AOP-Katalog nach § 115b bewegte sich für 2026 kaum . Von 2.476 gutachterlich vorgeschlagenen Leistungen schaffte es ein einziger neuer Kode hinein. Die eigentliche Verlagerung läuft über die Hybrid-DRG und das nächste Gesetz steckt gerade schon im Verfahren: Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Es soll die Vergütungen deckeln und eine DRG-Kurzzeitfallpauschale als weiteres Ambulantisierungsinstrument einführen. Schon jetzt warnen Kliniken, dass diese nur trägt, wenn die Hybrid-DRG mitgezogen wird.

Jede Reform verschiebt die Anreize. Hybrid-DRG, AOP, KHVVG, Vorhaltevergütung ab 2027. Wer darauf wartet, dass sich die Vergütung beruhigt, wartet noch lange.

Der Katalog wird sich weiterhin ändern. Es gilt, damit umgehen zu können.

Der teuerste Irrtum: ambulant nebenbei.

Der häufigste Fehler kostet nichts in der Anschaffung und viel im Betrieb: ambulant „nebenbei" zu erbringen. Im bestehenden OP, mit bestehendem Personal, mit unveränderten Abläufen. Ein OP, der für DRG-Fälle gebaut wurde, und vor allem seine Nebenflächen können ambulant nicht effizient sein. Egal, wie gut der Dienstplan ist.

Nehmen wir an ein ambulanter Eingriff dauert 25 Minuten. Umkleide und Schleuse 20, der Transfer durchs Haus je 5 Minuten hin und zurück. Die Struktur ist teurer als die Operation. Die Schnitt-Naht-Zeit ist gesetzt, der Hebel sind Wechsel-, Vor- und Nachbereitungszeiten. Vergütet wird Durchsatz, nicht Bettbelegung. Die Zeit steht im Nenner.

Was hilft, ist also konkret und unspektakulär: Trennen. Das Planbare vom Notfall. Standardisierte Fälle in einen eigenen, getakteten Short-Track legen. Alles, was nicht zwingend im Saal passieren muss, aus dem Saal holen. Zum Beispiel kann ein Ruheraum neben dem Aufwachraum die ambulante OP-Kapazität verdoppeln; ohne eine zusätzliche Fachkraft. BinDoc-Analysen über 238 Krankenhäuser zeigen, dass rund 0,55 vermeidbare prästationäre Belegungstage je Fall liegen bleiben, über das Jahr je Klinik etwa 363 Tage. Ein klares Prozessproblem.

Ambulant ist ein anderes Betriebssystem, nicht nur “stationär ohne Übernachtung”.

Hält es dem Stationsalltag stand?

Der Wert eines Konzepts zeigt sich an am Montagmorgen, an dem es laufen muss. Das beginnt bei der Auswahl der Patienten. Den richtigen Patienten in das richtige Setting zu bringen. Und das wird nicht durch pauschale Zuweisungslisten erreicht, sondern durch verantwortliche Fallprüfung, interdisziplinär aus Anästhesie und Chirurgie, am konkreten Fall.

Dazu gehört ein stationäres Backup als Sicherheitsnetz. Ohne die offene Tür für den Fall, der wegen Schmerz, Kreislauf oder Blutung doch bleiben muss, trägt kein ambulantes Modell. Und es braucht ein Team, das in der neuen Logik denkt. Bestehende Schichtteams sind für Taktprozesse ungeeignet, weshalb es einen motivierten Kern braucht, der in neue Rollen hineinwächst.

Und allem Voran braucht es eine klare Verantwortung. In vielen Häusern scheitert Ambulantisierung nicht am Willen, sondern an der Führungsarchitektur.

Wenn alle zuständig sind, ist am Ende niemand zuständig.

Drei Perspektiven, die selten zusammensitzen.

Kommenden Donnerstag bringt „Ambulant, aber wie?" drei Sichten an einen Tisch, die sonst selten zusammenkommen.

Die Daten zeigen, wo das Potenzial liegt. BinDoc liest die Fallzahlen eines Hauses und macht sichtbar, welche Eingriffe sich verlagern lassen, und was das wirtschaftlich bedeutet. Das Betriebsmodell beantwortet, wie aus dem Potenzial ein Pfad wird.

RINKE+HENSSLER baut aus Fallclustern, Taktung und Rollen den realen Ablauf. Von der Analyse bis in den OP-Betrieb.

Die Klinikpraxis prüft, ob es im Alltag standhält. Robert Koch, Vorstand der Rottal-Inn Kliniken, bringt die Sicht des Hauses ein, das es am Ende betreiben muss.

Potenzial ohne Betrieb bleibt ein Rohentwurf. Ein Betrieb ohne Praxis bleibt ein Plan. Erst zusammen ergeben die drei ein Bild – und genau diese Verbindung ist der Unterschied zwischen einer Reform auf dem Papier und einer Versorgung, die am Montagmorgen funktioniert.

Zur Session anmelden

Live-Analytics-Session: „Ambulant, aber wie?" Datenanalyse, Betriebsmodell und Klinikpraxis an einem Tisch – mit BinDoc, RINKE+HENSSLER und Robert Koch (Vorstand Rottal-Inn Kliniken).

25. Juni 2026, 11:00 Uhr · online · kostenfrei

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